Rigi Anzeiger
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Wieso musste es so weit kommen?

Merlischachen: Ein Gespräch mit Jürg Isenschmid, Merlischachen, zur Herausgabe seines kürzlich erschienenen Buches «Abwechslungsweise miteinander».

Jürg Isenschmid, Unternehmer und BuchautorBild zVg

Jürg Isenschmid, Unternehmer und BuchautorBild zVg

jp. Im Kreis der Familie sind wir als Eltern oder Jugendliche, im Beruf als Vorgesetzte oder Mitarbeitende, in Vereinen als Präsident oder Mitglied mit Situationen konfrontiert, die zu Störungen oder Disharmonie führen. Dabei können wir es uns einfach machen und meinen, die anderen seien schuld. Doch trifft dies tatsächlich zu?
Jürg Isenschmid, wohnhaft in Merlischachen, Unternehmer und Buchautor, beantwortet als Familienvater, als Vorgesetzter, als Mitarbeitender und als gewöhnliches Mitglied von Vereinen einige Fragen zu seinem zweiten Buch «Abwechslungsweise miteinander», das den Untertitel trägt «Über den Trugschluss zu meinen, die anderen seien schuld».

Jürg Isenschmid, nach der Herausgabe Ihres ersten Buches «Führen – In der Einfachheit liegt die Stärke» im Jahr 2013 warten Sie nun mit einem weiteren Titel auf, der zu Ihrem 60. Geburtstag am 7.7.2017 erschienen ist.
Ja, das stimmt. Es ist ein Buch, welches für jedermann und jedefrau ab 16 Jahren bis 88+ lesenswert und hilfreich ist. Dass es gerade zu meinem 60. Geburtstag erschienen ist, das ist eher ein glücklicher Zufall, der mich allerdings sehr gefreut hat.

Im Vorwort skizzieren Sie drei eskalierende Situationen, wie sie im Alltag in der Familie, in Unternehmen oder Vereinen vorkommen können und halten fest, dass die drei Begebenheiten etwas Gemeinsames haben: Sie hinterlassen bei den meisten Anwesenden ein ungutes und flaues Gefühl.
Es sind Begebenheiten, wie wir sie jederzeit erleben können, da es sich um alltägliche Vorkommnisse handelt. Typische Situationen, die durch übertriebene Spontanreaktionen zu einer Eskalation führen können. Tatsächlich hinterlassen sie ein negatives Gefühl – und zu viele solcher Situationen sind schlecht für die Seele. Also sollten wir versuchen, diese zu vermeiden.

Und dann stellen Sie die Frage: Wieso musste es so weit kommen?
Ja, weshalb es zu solchen negativen Situationen kommt und wie wir diese vermeiden können, darauf soll mein neues Buch eine Antwort geben.
Ganz vermeiden kann man solche Situationen allerdings nicht. Es wäre aber ein Trugschluss zu meinen oder zu glauben, es seien immer die anderen schuld. Das stimmt so nicht! Gelegentlich sind wir es selbst, welche die unerwünschte Reaktion ausgelöst haben, obwohl wir meinen, die anderen seien im Unrecht!
Wie sich ein erfolgreiches Verhalten in welcher Situation gestalten lässt, veranschaulichen Sie sehr klar und eindrücklich mit dem Polarisierungsmodell und entsprechenden Beispielen.
Mit Hilfe des Polarisierungsmodells kann die Leserschaft analysieren, in welchen Charakterfeldern sie sich bewegt. Ich zeige auf, wie eine erfolgreiche Balance zwischen den Feldern funktioniert und wie man dadurch ein harmonischeres Zusammenleben, zum Beispiel in der eigenen Familie, erreichen kann. Der Leser oder die Leserin kann mit Hilfe des Modells das Verhalten von praktisch allen Personen in seinem oder ihrem Umfeld einordnen und kann dadurch die positiven oder negativen Gesprächssituationen besser nachvollziehen.
Im Modell unterscheiden Sie zwischen «übergeordneter» und «untergeordneter» Positionierung in der Familie, in einer Unternehmung, in einem Verein oder im Kreis von Freunden.
Das ist richtig. Wir alle leben in einem stetigen Wechselspiel zwischen Über- beziehungsweise Unterordnung. Dies müssen wir uns allerdings zuerst bewusst werden. Ich erkläre das in meinem Buch mit Hilfe von verschiedenen Beispielen. Um sich möglichst störungsfrei in allen Gemeinschaften bewegen zu können, sollten wir in der Lage sein, zwischen beiden Positionierungen wechseln zu können.

Der Gesamtübersicht des Polarisierungsmodells ordnen Sie acht unterschiedliche Charakterfelder zu, in denen sich Eltern oder Kinder, Vorstands- oder Vereinsmitglieder, Vorgesetzte oder Mitarbeitende in ihren Aufgaben in der Gemeinschaft bewegen können.
Ja, wir können uns tatsächlich in acht unterschiedlichen Charakterfeldern bewegen – in vier verschiedenen Feldern in der übergeordneten Position und in vier verschiedenen Feldern in der untergeordneten Position. Allerdings führen nur jeweils zwei Charakterfelder, nämlich die angemessenen, zu einem erfolgreichen Miteinander. Das Aufhalten in den unangemessenen Feldern führt unweigerlich zu Störungen, die in den uns bekannten Formen so nicht sein müssten.

Kritisch, mit Vorbehalten, gehen Sie mit der heutigen «Simser»- Position um.
Heute wird leider oft nicht mehr gesprochen, sondern nur noch gechattet. Vieles wird dadurch in unserem Leben erleichtert. Doch Werte, Regeln und Normen haben auch in der digitalen Welt ihre Gültigkeit. Wir können immer häufiger Menschen beobachten, die versuchen, ihre Probleme, zwischenmenschliche Differenzen, Streit und Unbehagen via SMS zu lösen. Das kommt selten gut! Weshalb sich dadurch oftmals vorhandene Störungen nicht lösen, sondern intensivieren, erkläre ich anhand von Beispielen in meinem Buch!

Wer in einen kommunikativen Prozess mit einer oder mehreren Personen tritt, soll drei Kriterien von grosser Bedeutung beachten: die Sache, den Menschen und die Zeit.
Das ist meine Definition der Angemessenheit. Angemessen ist eine Aktion, wenn diese sachgerecht, personengerecht und zeitgerecht durchgeführt wird. Also sollten wir allen drei Kriterien mit entsprechender Sorgfalt begegnen. Dient das, was ich sage und tue der Sache? Kann ich mit dem oder den betroffenen Menschen in diesem Ton sprechen? Ist es der richtige Zeitpunkt, um etwas zu sagen oder zu tun? Mit Hilfe dieser drei Fragen und den daraus resultierenden Antworten können Sie sich viel Ärger und Ungemach ersparen.