Rigi Anzeiger
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Wilhelm Tell, Walterli und ein Gedenkstein

200 SchülerInnen feierten die Rettung der Hohlen Gasse in Küssnacht

Aus der ganzen Schweiz strömten Schülerinnen und Schüler nach Küssnacht, um das 75-Jahr-Jubiläum zum Erhalt und der Rettung der Hohlen Gasse mitzufeiern. Sie folgten Wilhelm Tell und seinem Sohn Walter, der die geschichtsträchtige Gasse entlang schritt.

cek. «75 Jahre Rettung und Erhaltung der Hohlen Gasse» das ist Grund zum Feiern. Ein farbenfroher Festzug angeführt von der Musikgesellschaft Immensee bewegte sich auf der Artherstrasse zur Hohlen Gasse. Otto Weiss und sein achtjähriger Neffe Claudio Weiss verkörperten Wilhelm Tell und seinen Sohn Walter (oder Walterli). Der Knabe trug einen von einem Pfeil durchschossenen Apfel mit sich. Begleitet wurden sie vom Herold der Gasse alias Hans Grossrieder. Er trug eine Proklamation mit sich. Zusammen mit 200 Kindern im Schlepptau – sie trugen sämtliche Fahnen der Schweizer Kantone – schritt das Trio die Hohle Gasse entlang. Sie erinnerten an jenen Teil von Friedrichs Schillers Geschichte, als Wilhelm Tell sich auf die Lauer legte um den Landvogt Gessler mit einem Pfeil nieder zu strecken. Dieselbe Gasse drohte in den 1930er Jahren vom zunehmenden Verkehr zerstört zu werden. Um den historischen Ort zu erhalten, musste eine Umfahrungsstrasse gebaut werden. Zur Finanzierung derselben half damals die Schuljugend mit. Sie verkaufte Postkarten für je 20 Rappen und brachte so 103 000 Franken zusammen. Und genau diese Aktion würdigten die Redner während der Feierlichkeiten vor der Tellskapelle mehrmals.

 

Mystisch und fesselnd

Die im Herzen liegende Hohle Gasse, die Küssnacht und Immensee verbindet, bezeichnete der Schwyzer Landammann Walter Stählin als mystisch und fesselnd. Er erinnerte daran, dass diese historische Stätte nach dem Bau der Umfahrungsstrasse restauriert und am 17. Oktober 1937 samt Anwesenheit eines Bundesrates eingeweiht wurde. «Seit 1935 ist die Stiftung zur Erhaltung der Hohlen Gasse als Treuhänderin der Schweizerischen Schuljugend bemüht, diesen eidgenössischen Erinnerungsort zu bewahren und zu erhalten», erwähnte Walter Stählin. Er wies darauf hin, dass das heutige Erscheinungsbild der Hohlen Gasse der Sanierung im Jahre 2004/2005 zu verdanken sei. Nationalratspräsident Hansjörg Walter rückte eine Aussage Schillers vor 250 Jahren in den Vordergrund: «Alle Geschichten sind nur verständlich durch und in der Weltgeschichte. Ich meine, diese Aussage trifft heute noch stärker zu als im 18. Jahrhundert. Die Globalisierung bringt neue Geschichten ins Land Wir sind auf ganz verschiedene Weise mit anderen Ländern verhängt. Wenn wir verstehen, was andernorts auf der Welt passiert, verstehen wir, wo wir in der Welt stehen und das ist gut zu wissen.»

 

Gedenkstein der Solidarität

Begleitet von zahlreichen Zuschauern schritt nach der Feier Wilhelm Tell und Walter mit Gefolge die Hohle Gasse runter um einen weiteren Akt beizuwohnen. In der Nähe des Pavillons enthüllten Schulkinder einen Gedenkstein. Er erinnert an den Wert der Solidarität. Die Rettung der Hohlen Gasse sei ein Akt der Solidarität gewesen, resultierte Isabelle Chassot, Präsidentin der Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK) und Freiburger Staatsrätin. Das vom Bildhauer Daniel Anderhub aus Rotkreuz geschaffene Denkmal stellt die Schweiz und ihre Wappen dar. Mancher Festteilnehmer schaute sich dieses nach der Feier genauer an. Das Matterhorn sieht man. «Wo ist aber die Rigi?» fragte eine Frau. Es war scheinbar nicht zu finden. Gemeindeangestellte begutachten kurz darauf das Kunstwerk auch und entdeckten die Rigi sofort. Leider war die Frau nicht mehr da, der sie es hätten zeigen können.