Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Wir haben alles gemacht, was wir wollten!»

Menschen im Gespräch mit Heiri Hüsler, lokalhistorischer Geschichtenerzähler, Luzern.

Ganz und gar der Stadt Luzern verpflichtet in seinem ehemaligen Beruf und auch heute im Ruhestand: Geboren und aufgewachsen aber ist Heiri Hüsler in Inwil. Wo sein Bruder und dessen Nachkommen noch heute die weit herum bekannte Bäckerei mit Café betreiben. Der rüstige 73-Jährige, mit einem Lächeln auf den Lippen und Schalk in den Augen, zeigt als erstes seine imposante Bonsai-Sammlung auf der äusserst geräumigen Terrasse im Würzenbachquartier mit traumhafter Fernsicht.

Nebst asiatischen Nadelhölzern zieren auch viele Miniaturen aus heimischen Wäldern das breite Gesims: «Ich mag Laubabwerfende wie Buche, Linde oder Birke», sagt der Hobby-Gärtner. Man könne so die Jahreszeiten vom ersten Knospen bis zum Früchte tragen miterleben. Auch eine beachtliche Stangenbohne hangelt sich am Dachpfosten empor. «Das war ein gelungenes Experiment, der Ertrag der Sorte ‚Berner Landfrauen’ ergibt eine feine Beilage zum nächsten Sonntagsmenu zusammen mit dem bereits eingelegten Wildschweinbraten.

Heiri Hüsler: «Es begann mit ‹Grossvater und der liebe Gott› – 50 Geschichten aus einer Jugend in Inwil.»

Heiri Hüsler: «Es begann mit ‹Grossvater und der liebe Gott› – 50 Geschichten
aus einer Jugend in Inwil.»

Grosspapi und Hausmann
Auf das sich jeweils seine Tochter Ursula mit Ehemann Inigo sowie die beiden Enkel Itxaso (6) und Eneko (4) freuen. Heiri Hüsler ist deren «Babi». Den sie zusätzlich zwei Mal pro Woche besuchen. Davon zeugen ein Trampolin, Dreiradvelos und eine Menge weiteres Spielzeug. «Babi» schätzt die Besuche: «Zum einen bringen sie Abwechslung in mein Leben, zum anderen muss ich richtig kochen. Für eine Person allein macht das wenig Spass!». Denn der Tod seiner Frau anfangs Jahr hat viel verändert. Ganz Hausmann sagt Heiri Hüsler: «Ich mache für die ganze Familie die Wäsche. Ist ja keine Kunst, wenn alles in der eigenen Wohnung erledigt werden kann.»

Dabei spielt er wohl auch ein wenig auf die «Waschküchen-Streitigkeiten an» als er am früheren Wohnort noch für drei Liegenschaften nebenamtlich hauswartete. Die er als damaliger Polizist wohl bestens im Griff hatte, denn «einmal Polizist, immer Polizist!». Bevor er von 1968 bis 1989 bei der Stadtpolizei Luzern arbeitete galt seine Passion aber dem Rhein. Mit 16 Jahren ging er zur Rheinschifffahrt und erlernte den Matrosenberuf. Mit dem Schifferpatent in der Tasche wurde er 1966 Steuermann auf dem Passagierschiff «Ursula», das die Strecke Basel – Rotterdam befuhr. Zur Crew gehörte damals auch Myrta Zumbrunn aus Interlaken. Als er 1968 an Land ging, nahm er sie als seine zukünftige Frau mit. Im Polizeidienst zeichnete er sich nach seiner Ausbildung 1968 schon bald als hervorragender Protokollführer aus. Er hatte am Schreiben Gefallen gefunden: Erste Geschichten aus dem Polizeialltag wurden in den langen Nächten auf dem Posten Luzern verfasst. Eine der Broschüren trägt den Titel «Mit Bussenblock und Trillerpfeife».

Eierfrau räumt ihren Stand
Im nächsten Berufsabschnitt wechselte Hüsler zur Gewerbepolizei und fungierte 12 Jahre als Platzmeister der Lozärner Määs. Hier galt es die Spielregeln im öffentlichen Raum durchzusetzen: «Als Hotspot gilt – nach wie vor – das Reussufer bzw. der Rathausquai». Heute kann er darüber schmunzelnd eine Anekdote zum Besten geben. «Einer der Wirte versuchte an den Markttagen mit einem Trick vor den übrigen Gaststätten zu mehr Raum für seine Gastwirtschaft zu kommen. Er beauftragte seinen Küchenchef, der Eierfrau, die ihren Stand vor seinem Hotel hatte, alle Eier abzukaufen. Die war darüber glücklich und packte ihr Sachen. Am folgenden Markttag klappte es ebenso. Bis die Eierverkäuferin dann den «Braten roch» und beim nächsten Mal ein Mehrfaches an Eiern im Angebot hatte. Das wurde dann sowohl Hotelier wie Küchenchef zu viel. Die Markthändlerin behielt ihren Stand.»

«Das Bedürfnis nach Ausklinken und Abschalten wurde immer grösser», sinniert Hüsler im Rückblick. Mit 2006 ging er in Pension und widmete sich vermehrt dem Schreiben. Seiner Heimatgemeinde verbunden, verfasste er in den vergangenen Jahren 110 Geschichten über Inwil. Die erst in der «Ratsstube» – Inwils offiziellem Informationsblatt – erschienen. Und dann in Büchlein wie «Grossvater und der liebe Gott, 1995» oder «Von Bibern, Olympiasiegern und andern starken Inwilern, 2017» zusammengefasst wurden (alle im Eigenverlag). 2014 entstand im Auftrag von Inwil dessen Gemeindebuch.

Die Liebe und mehr
Erneut lockte der Duft der weiten Welt, den Hüsler in Jugendjahren als «Tiger» (Begleitpolizist auf Flugzeugen) geschnuppert hatte. Das Ehepaar liess sich zu mehrwöchigen Reisen als Passagiere auf Frachtschiffen verführen. «Es ist wie eine Pilgerreise, man fokussiert sich auf sich selber und kommt verändert zurück in den Alltag», bilanziert Hüsler seine Erlebnisse. Die er akribisch dokumentierte. So auch im «Tagebuch einer sechswöchigen Reise mit einem der modernsten und grössten Container-Liner nach Brasilien und Argentinien.» 2015, Myrta bereits schwer krank, haben sich die beiden nochmals auf den Atlantik gewagt. Es war die letzte Reise mit seiner Frau. «Wir haben alles gemacht, was wir wollten!», fügt er wehmütig, aber auch abgeklärt an.

Marlis Jungo

Als nächster Gast in der Rubrik «Menschen» wird der Samichlaus aus seinem Leben erzählen.