Rigi Anzeiger
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«Wir prüfen die Option, selbst zu bauen»

Adligenswils Sozialvorsteher schliesst Gesinnungswandel beim Bau des Alterszentrums nicht aus

Das Familiendorf Adligenswil tut sich schwer mit seinem geplanten Alterszentrum. An der kommenden Gemeindeversammlung vom 27. November werden die Einwohner über einen erneuten Planungskredit abstimmen.

Der erste Planungsanlauf hat die Gemeinde vor dreieinhalb Jahren einen Sonderkredit von 235000 Franken gekostet. Und was ist daraus geworden? Die Erkenntnis, dass das beim Projektwettbewerb siegreiche Architekturbüro auch in Zukunft federführend bei der Planung des Alterszentrums mitten im Dorfkern von Adligenswil sein soll. Und die Erkenntnis, dass es nicht so einfach ist wie erhofft, die Realisation und den Betrieb eines Alterszentrums einem Investor und Betreiber zu überlassen. Nun soll mit einem Planungskredit 125 000 Franken eine neue Planungsrunde angegangen werden. Die Mühe, welche die Gemeinde mit der Realisation eines Alterszentrums bekundet, wirft Fragen auf. Sozialvorsteher Pascal Ludin liefert Antworten.

Sozialvorsteher Pascal Ludin

Pascal Ludin, wie viele der heute ca. 5500 Einwohner von Adligenswil sind eigentlich schon im AHV-Alter?
Rund 900, davon sind knapp 500 Frauen.

Also um 16 Prozent und damit im Schweizer Durchschnitt. Doch während andere Gemeinden oft schon seit Jahrzehnte Altersheime, Betagtenzentren oder Seniorenresidenzen haben, überlegt man sich in Adligenswil heute, wie man möglichst preiswert zu einer solchen Einrichtung kommt. Wie konnte es soweit kommen?
Bisher war Adligenswil vor allem mit Infrastrukturprojekten beschäftigt, welche unsere Position als Familiendorf stärkten. Zum Beispiel Bau und Unterhalt von Schulanlagen oder der Realisierung des Zentrums Teufmatt.

Das Alter macht auch vor einem Familiendorf nicht halt. Mit welchem Zuwachs an Senioren rechnen Sie für die Zukunft?
Die Zahlen werden in den nächsten Jahren im Verhältnis zur Wohnbevölkerung sicherlich überdurchschnittlich wachsen. Dies ist auf die bisher junge Altersstruktur zurückzuführen. Adligenswil ist ein beliebter Wohnort für jüngere Familien. Diesen Boom erlebten wir vor allem in den 70er und 80er Jahren.

Und wohin gehen heute die betagten Adliger ins Exil ?
Die neue Pflegefinanzierung ermöglicht es den Adligenswilerinnen und Adligenswiler in jeden Wohn-, Alters- oder Pflegeheim in der Schweiz einen Platz zu finden. Der grösste Teil sucht sich jedoch einen Alterssitz in der näheren Umgebung: Luzern, Ebikon oder Meggen.

Wie viele Plätze müsste ein Altersheim Adligenswil in Relation zur Anzahl Einwohner und der angenommenen Entwicklung aufweisen?
Hier gibt es verschiedene Planzahlen. Bis vor einigen Jahren gab es sogar ein Moratorium für neue Betten, welches erst vor ca. 5 Jahren aufgehoben wurde. Auch diese Tatsache führte dazu, dass Adligenswil bisher noch kein eigenes Angebot in diesem Bereich realisieren konnte.

Müsste ein Alterszentrum nicht auch einen Pflegebereich beinhalten?
Das bisherige Konzept sieht eine Pflegeabteilung mit 16 bis 18 Plätzen vor. Weiter sind altersgerechte Wohnungen im Bereich von 2.5 bis 3.5 Zimmern vorgesehen, in welche pflegerische Leistungen bezogen werden können aber ein Eintritt ins Pflegeheim noch nicht notwendig ist.

Weshalb baut die Gemeinde das Altersheim nicht einfach selbst? So wie die Schulhäuser?
Diese Option war bisher nach dem Entscheid der Gemeindeversammlung keine Option. Weiter ist auf das hohe Investitionsvolumen hinzuweisen. Die neuen Abklärungen werden diesbezüglich jedoch vollkommen ergebnisoffen sein und auch diese Option wird geprüft.

Wie wird das in anderen Gemeinden gehandhabt?
Hier gibt es verschiedene Finanzierungsformen und auch verschiedene Modelle für den Betrieb und den daraus resultierenden Modellen. Wir wollen mit unseren Grundsatzabklärungen die nötigen Entscheidungsgrundlagen schaffen, auf derer Basis das für Adligenswil ideale Konzept erarbeitet werden kann.

Gibt es zu einem Altersheim eine moderne Alternative?
Das klassische Altersheim gibt es so nicht mehr. Es wird stark gewichtet, wie stark pflegebedürftig jemand ist. Das Spektrum reich von dem Pflegebett mit rund um die Uhr Betreuung bis hin zum selbstständigen Wohnen in altersgerecht gebauten Wohnungen mit der Option auf gewisse Pflegeleistungen. Ein solches Modell wird sicherlich auch für Adligenswil das richtige sein.

Wieviel Geld gibt die Gemeinde jährlich für die Jugend und Schule aus? Und wie viele für betagte Einwohner?
Diese Unterscheidung ist nicht ganz einfach! Stellt man die zwei grossen Ausgabenpositionen Alter und Schul nebeneinander auf, so ergibt sich in etwa das folgende Bild: Für die Bildung gibt die Gemeinde rund 8,5 Millionen aus und für die Kernaufgaben im Bereich Alter (Heime, Spitex und Ergänzungsleistungen) rund 4 Millionen.

Wieviel jährliche Ausgaben für Altersbetreuung, bzw. für ein Altersheim könnte sich die Gemeinde Adligenswil überhaupt leisten?
Das kann so direkt nicht beantwortet werden.

Wann ist der frühmöglichste vorstellbare Termin für die Inbetriebnahme eines Altersheimes?
Der jetzige Zeitplan sieht vor, dass wir bis Ende Juni 2013 die nötigen Grundlagenabklärungen über die möglichen Modelle getroffen haben. Anschliessend werden wir in einer weiteren Phase mit möglichen Partnern die einzelnen Modelle verfeinern, so dass wir Anfangs 2014 mit einem Grundsatzentscheid vor die Gemeindeversammlung gehen können.