Rigi Anzeiger
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«Zäme of em Wäg»

Meggen: Ende Januar 2018 nimmt Hanspeter Wasmer Abschied von seinen seelsorgerischen Aufgaben in den drei Pfarreien Adligenswil, Meggen und Udligenswil und tritt das Amt eines Bischofsvikars an. Wie er die elf Jahre als Priester in der Pfarrei St. Pius und ab 2015 im Pastoralraum «meggerwald pfarreien» erlebte, erfahren Sie im nachfolgenden Interview.

Pfarrer Hanspeter Wasmer nimmt Abschied von den “meggerwald pfarreien“ Adligenswil, Meggen und Udligenswil.

Pfarrer Hanspeter Wasmer nimmt Abschied von den “meggerwald pfarreien“ Adligenswil, Meggen und Udligenswil.

«Gemeinsam unterwegs sein», hiess ihr Motto bei der Pfarrinstallation. Wer war mit Ihnen auf dem Weg?
Sehr viele Menschen ganz unterschiedlicher Art. Mit einigen durfte ich ein längeres Stück des Weges gehen, mit anderen ein kürzeres. Wichtig aber ist, dass nicht ich alleine mit den Menschen auf dem Weg war, sondern, dass wir alle gemeinsam auf dem Weg waren. Die Idee meines Mottos war, dass wir alle zusammen unseren Lebensweg gehen an den Orten, wo wir wohnen. Und: Dass wir diesen Weg gemeinsam gehen. Da gab es intensivere Weggemeinschaften wie auf dem Firmweg oder Erstkommunionweg – und auch weniger intensive, wo man sich während des Jahres immer wieder begegnete.

Sie haben sich als Präses für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Jungwacht eingesetzt, aber auch zum Blauring und zu den Pfadi-Abteilungen einen guten Draht gehabt.
Ja, da lag viel Herzblut drin! Ich war als Kind und Jugendlicher selbst in der Jungwacht und habe mich dort bis zum Ende des Studiums auch als Ausbildner in der Regionalleitung eingesetzt. Als Vikar in Reiden war ich dann Präses einer Pfadi-Abteilung. Deshalb habe ich mich gleich zu Beginn meiner Tätigkeit in Meggen – als ich noch nicht JW-Präses war – für den Neubau eines Jugendhauses eingesetzt und alle Leiterinnen und Leiter der Jugendorganisationen als Dank für ihren grossartigen Einsatz zu einem Chäsobig eingeladen. Seither gab es diesen Anlass jedes Jahr wieder.

Wie kamen Sie denn zum Amt des Präses?
Unser Religionspädagoge, der damals das Präsesamt innehatte, verliess uns im Jahr 2006. Seine Nachfolgerin wollte dieses Amt nicht übernehmen, und so hat das Team mich motiviert, dies zu tun. Das Leitungsteam wählte mich, und ich dachte, es sei vorübergehend, bis wir einen neuen Jugendarbeiter gefunden haben. Am letzten Samstag habe ich das Amt meinem Nachfolger übergeben, nach beinahe zwölf Jahren Präsestätigkeit. Das dauerte so lange, weil mich die Kinder und Jugendlichen in dieser Rolle immer akzeptiert haben, und ich natürlich auch sehr gerne dabei war. Für mich war es ein Privileg, noch in Sommerlager gehen zu dürfen! Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen machte mir so viel Freude, dass bei aller Umverteilung der Arbeit, die der Pastoralraum mit sich brachte, ich auf eines nie verzichtet hätte: Diese Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Sie war etwas, das mir auch immer wieder Energie gab. Es war für mich ein Highlight!

Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen gab Pfarrer Hanspeter Wasmer immer wieder Energie und machte viel Freude.

Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen gab Pfarrer Hanspeter Wasmer immer wieder Energie und machte viel Freude.

Sie haben sich in der Öffentlichkeit aufgeschlossen gezeigt, an Anlässen, an Feierlichkeiten, an Gemeindeversammlungen teilgenommen …
Ja natürlich, das gehört eben zum gemeinsamen Unterwegssein! Es war für mich einerseits wichtig, die vielfältige ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde durch meine Präsenz zu unterstützen – so gut es ging. Überall konnte ich aber nicht dabei sein. Anderseits war es für mich ganz wichtig, dass der gemeinsame Weg sich nicht nur hinter den Kirchenmauern abspielte, sondern eben auch im Gemeindeleben. So wie ich mich über den Kirchenbesuch freue, so freuen sich auch die Vereine über den Besuch. Den Menschen auf diesem Weg immer wieder zu begegnen, war für mich wie ein Familientreffen.

Gibt es ein lustiges, berührendes Erlebnis aus Ihrem Alltag?
Aus einer spontanen Begegnung?
Hm, ja ganz viele – aber wenn man sie gerade so erzählen sollte… Ach ja, vielleicht dies: Alle Erstkommunionkinder stehen in Reih und Glied, bereit für den Einzug in die Kirche. Ich schwatze noch etwas mit den Kindern, um ihnen die Nervosität zu nehmen. Da fragt mich ein Kind plötzlich: «Haben Sie eigentlich keine Kinder?» Ich war etwas perplex und antwortete dann rasch: «Doch, ganz viele, schau dich doch um!»

In welchen seelsorgerischen Aufgabenfeldern haben Sie, nebst der Betreuung und Förderung der Kinder und der Jugendlichen, Schwerpunkte gesetzt?
Da wir ja ein Team von Mitarbeitenden sind, kann man Schwerpunkte setzen, ohne dass man selber immer alles alleine machen muss. Zum Beispiel in der Altersarbeit, wo wir früher mit Hanne Hasler oder Jeannette Emmenegger und jetzt mit Oliver Schnappauf gute Beziehungspersonen hatten und haben. Ich selber bin dann ab und zu für Gottesdienste, Krankensalbungen oder Weihnachtsfeiern in der Alterssiedlung Sunneziel erschienen. Dieser Bereich wird noch etwas intensiver. Bereits jetzt ist das «Wohnen am Bächli» in Udligenswil eröffnet und bald folgt auch das Alters- und Gesundheitszentrum in Adligenswil. Daneben sind natürlich Religionsunterricht und allgemeine Seelsorge wichtige Aufgaben. Es gibt aber noch vieles mehr, das wenig planbar ist, wie zum Beispiel Taufen, Beerdigungen oder Seelsorgegespräche, um nur einige zu nennen.

Pfarrer Hanspeter Wasmer zeigte sich volksverbunden und weltoffen.

Pfarrer Hanspeter Wasmer zeigte sich volksverbunden und weltoffen.

Wie gehen Sie mit religiöser Passivität, mit Kirchenaustritten um?
Es mag im Leben immer wieder Zeiten geben, in denen man sich der Religion mehr verbunden fühlt und Zeiten, in denen man das Gefühl hat, man brauche sie jetzt nicht gerade so. Ich habe immer Freude gehabt an den Menschen, die in den Gottesdienst gekommen sind, habe sie aber weder gezählt noch aktiv darauf geachtet. Regelmässige Besucherinnen und Besucher waren ebenso willkommen wie sporadische. Womit ich allerdings schon Mühe hatte, waren die Austritte. Wenn man nur um Geld zu sparen ausgetreten ist, habe ich dies einerseits nicht gerade als Wertschätzung für unsere Arbeit empfunden und als sehr kurzsichtig. Im Moment kann die Kirche noch viel soziale Arbeit auch ehrenamtlich organisieren. Wenn dies einmal nicht mehr möglich ist, dann muss der Staat, die Gemeinde gewisse Aufgaben übernehmen. Das wird dann teurer als die Kirchensteuer!

Die katholische Kirche ist in den letzten Jahren schweren Vorwürfen wegen sexueller Missbräuche oder mangelnder Gleichstellung der Frauen ausgesetzt. Wie gehen Sie mit diesen Problemen um?
Die Missbrauchsfälle empfinde ich als sehr belastend. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie kirchliche Mitarbeitende Kindern so etwas antun können. Gleichzeitig heisst das für meine Arbeit auch, dass man Vorsichtsmassnahmen ergreifen muss, zum Beispiel nie allein mit einem Kind in einem Raum sein. Andererseits muss man auch schauen, dass es nicht absurd wird und ein sinnvoller Umgang mit Kindern möglich ist. Dazu werden wir immer wieder geschult und sensibilisiert. Gerade letztes Jahr gab es dazu eine obligatorische Weiterbildung vom Bistum.

Was die Gleichstellung der Frau anbelangt, so bleibt dies eine stetige Aufgabe. In unserem Bistum sind Frauen den Männern gleichgestellt, respektive werden gar bevorzugt. Bischof Felix will zum Beispiel in jeder Bistumsregionalleitung eine Frau. Der Unterschied liegt in den Zulassungsbedingungen zu den geweihten Ämtern. Hier hat Papst Franziskus immerhin schon Andeutungen gemacht. Wir haben diesbezüglich natürlich auch einen Erfahrungsvorsprung. Bei uns gibt es zahlreiche Pfarreien, die erfahren haben, wie gut Frauen diese leiten oder wie gut sie seelsorgerisch wirken. Das ist in unserer Weltkirche – ich denke zum Beispiel an Afrika – natürlich nicht möglich. Ich vergleiche die Kirche immer wieder mit einem grossen, alten Dampfer, der seine Zeit braucht, bis er den Kurs gewechselt hat. Es kommt, aber es braucht Geduld und einen langen Atem, wie mir der damalige Bischof vor meiner Weihe sagte.

Auf der Einladung zu Ihrem Abschied, den Sie am kommenden Sonntag mit einem Festgottesdienst in der Piuskirche feiern, sind Sie sportlich gekleidet mit einem Fahrrad in den Händen, bereit zum Aufsteigen, fotografiert. Warum ein Fahrrad und nicht ein Geländewagen?
Nun, da müssen Sie jene fragen, die dies gestaltet haben. Damit habe ich für einmal gar nichts zu tun. Ich habe auch gar nichts gesehen, bevor die Einladung gedruckt war. Überhaupt wusste ich lange nichts von dem, was zu meiner Verabschiedung organisiert ist. Erst vor kurzem wurde ich über einige Dinge informiert. Einiges weiss ich immer noch nicht. Ja, ich war eigentlich weniger mit dem Velo unterwegs als mit dem Auto. Da haben meine guten Vorsätze nicht ganz mit den Zeitvorgaben übereingestimmt. Ich nehme das Velo jedenfalls mit, vielleicht klappt es ja beim nächsten Job besser!

Es fällt Ihnen nicht leicht, von der «Frontarbeit» als Seelsorger, als Pfarrer Abschied zu nehmen.
Wahrlich nicht! Ich habe diese Arbeit geliebt und war voll dabei. Es war eben nicht nur Arbeit, sondern ein Miteinander-auf-dem-Weg-sein in Freud und Leid. Das wird mir zukünftig sehr fehlen, das weiss ich. Aber ich bin sehr dankbar für die vielen schönen Erinnerungen, die ich mitnehmen darf und die meine zukünftige Arbeit sicher auch bereichern werden. Man wird mir sicher nicht vorwerfen können, dass ich nicht weiss, wie es an der Basis ist.

Was erhoffen Sie sich von Ihren neuen Aufgaben als Bischofsvikar?
Dass es trotz all dem Strukturellen und Organisatorischen auch immer wieder Platz für Begegnungen geben wird. Dass auch hier das Miteinander-auf-dem-Weg-sein wichtig ist und dass ich mit meinem Dienst ein klein wenig dazu beitragen kann, dass gutes Leben in den Pfarreien gelingen kann.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erfüllung in Ihrem neuen Tätigkeitsfeld.