Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Ziegel erleben und herstellen

Zug/Luzern: Die Geschichte des schweizweit einzigartigen Ziegelei-Museums zwischen Cham und Hagendorn beginnt mit der Familie Lörch und führt zur Binzmühle nach Rotkreuz und nach Körbligen in Inwil.
cek. Wir nehmen sie als selbstverständlich wahr, die Ziegel auf den Häusern. Ihre Herstellung war früher weit verbreitet. Sie erfolgte von Hand. Davon erzählt unter anderem das Ziegelei-Museum, das zwischen Cham und Hagendorn liegt. Dort kaufte 1873 Martin Lörch die Waldlichtung zwischen dem Rainmatter- und Lindenchamer  Wald, erstellte eine einfache Ziegelhütte und ergänzte sie später mit einem Wohnhaus. Die Handziegelei wurde 1906 vom ältesten Sohn Caspar Lörch übernommen und war bis 1933 in Betrieb.  Sein Bruder Jakob verliess 1916 die Handziegelei und  verdiente seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten bis er 1924 für 13 000 Franken die Binzmühle in Rotkreuz kaufte. Hier lebte er als Antiquar und machte die Binzmühle zu einem einzigartigen Treffpunkt für Künstler und Liebhaber alter Möbel.

Stiftung baute Museum
Die Handziegelei diente nach ihrer Betriebseinstellung als Unterstand und Schopf und verfiel zusehends. Ab Mitte der 1970er Jahre wurde die ehemalige Senke bis hin zur Ziegelhütte als Aushubdeponie verwendet. Diese bedrohte auch die historische Ziegelhütte und die ehemalige Lehmgrube, die sich in der Zwischenzeit zu einem Flachmoor entwickelt hatte. 1978 wurden die Ziegelhütte und das dahinter liegende Biotop und später auch das Wohnhaus unter kantonalen Schutz gestellt. Seit fünf Jahren ist die 1982 gegründete Stiftung Ziegelei-Museum Besitzerin des gesamten Areals. Sie baute an der einstigen Stelle der Scheune, die 1982 aus ungeklärten Gründen nieder brannte, ein Museum. Das Erdgeschoss des Wohnhauses dient heute als Büro und Fachbibliothek.

Für Klein und Gross
Das Ziegeleimuseum ist dieses Jahr noch bis 23. Oktober 2016 geöffnet und geht anschliessend in die Winterpause. Nun kann man dieses spontan besuchen und entdecken oder an einer Führung (für Gruppen auch im Winter möglich) teilnehmen. Zum Beispiel mit Judith Matter Bütler, verantwortlich für die Leitung Bildung und Vermittlung, die mit packender Leidenschaft zu erzählen weiss. Sie startet beim «Zwergen-Werkplatz». Der naturnahe Spielplatz hat seinen Namen von den Zwergen, die in Form von Holzskulpturen zu finden sind. Sie stammen aus der lesenswerten Geschichte «Wie der Lehm aufs Dach kam», die Judith Matter extra geschrieben hat, um für Kinder den Herstellungsprozess von Ziegeln anschaulich darzustellen. Die Namen der Zwerge stellen einen Bezug zur Familie Lörch und zur Geschichte der Ziegelei her. In der Ziegelhütte machen zuerst die teils sehr alten Ziegeln auf den Trockengestellen neugierig.  Besucherinnen und Besucher können hier selber aus Lehm Ziegel herstellen – auf Voranmeldung.
Im Museum selbst öffnet sich eine Welt, die staunen lässt. Sie zeigt jahrhundertealte Zeugen von Ziegeln, die nicht nur für das Dach verwendet wurden/werden. Sie dienten beispielsweise auch als Schreibunterlage, so für einen Schuldbrief oder für ein Gedicht. BesucherInnen entdecken auch, dass der Turmbau zu Babel ausschliesslich mit Backsteinen erfolgte. Das Untergeschoss des Museums beherbergt jede Saison mindestens eine neue Sonderausstellung, in der Aspekte aus dem Themenbereich der Ziegeleikeramik, aber auch lokale Bezüge wie z.B. Künstler, Natur oder verwandte Baumaterialien näher beleuchtet werden, meist in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Die aktuelle Sonderausstellung 2016 «Gebaute Erde / Mit Erde bauen» zum Thema Lehmbau wird zum Beispiel durch Clemens Quirin von Lehm Ton Erde, Baukunst GmbH kuratiert, der Firma des Europäischen Lehmbaupioniers Martin Rauch.

Engagierte Stiftungsräte
Nach einem Rundgang lockt das angenehme Ambiente des Ziegler-Beizlis, das von der zuwebe (Institution des Kanton Zugs, die Menschen mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung begleitet) betrieben wird. Hier verrät Judith Matter, dass die Unterstützung und das Engagement der Stiftungsräte für das Museum enorm sei. Zu ihnen gehört auch Ernst Schumacher, der während 40 Jahren Mitinhaber der Ziegelei Schumacher bei Körbligen in Inwil war. Aus dieser Zeit stammt auch eine Röhre aus gebranntem Ton, die zum Lagern von Wein benutzt werden kann und im Museum zu finden ist. «Früher wurden solche Rohre zur Entwässerung benutzt», erklärt Ernst Schumacher. Er unterstützt das Museum seit der Gründung der Stiftung im Jahr 1982 und ist heute Ehrenmitglied. Wer mehr über das Ziegeleimuseum wissen möchte, findet unter www.ziegelei-museum.ch zahlreiche spannende Informationen.

Das Museum mit Zieglerbeizli.

Das Museum mit Zieglerbeizli.

Die Ziegelhütte, in der während über hundert Jahren Ziegel von Hand hergestellt wurden.

Die Ziegelhütte, in der während über hundert Jahren Ziegel von Hand hergestellt wurden.

Judith Matter führt das Handwerk der Ziegeleiherstellung vor.

Judith Matter führt das Handwerk der Ziegeleiherstellung vor.

Ernst Schumacher mit einem Ziegelrohr, dass er für die Lagerung von Wein erfand.

Ernst Schumacher mit einem Ziegelrohr, dass er für die Lagerung von Wein erfand.

«Schnell verrauscht der Klang der Feste…» beginnt das Gedicht auf diesem Wagenrad von 1897.

«Schnell verrauscht der Klang der Feste…» beginnt das Gedicht auf diesem Wagenrad von 1897.

Weitere Prunkstücke, die im Museum zu sehen sind. Bilder cek/zVg

Weitere Prunkstücke, die im Museum zu sehen sind. Bilder cek/zVg

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