Rigi Anzeiger
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Zwei Dorfärzte – zwei Diagnosen

Wie weiter mit der ärztlichen Versorgung in Adligenswil

«Ohne Ärztezentrum wird der Berufsnachwuchs nicht nach Adligenswil kommen», klagt Dorfarzt Klaus Egger aus seinem Provisorium. «Die ärztliche Versorgung in Adligenswil wird auch in Zukunft kein Thema sein. Ich kann jederzeit ausbauen», entgegnet Dorfarzt Toni Vonwil. Beide stehen vor der Pensionierung.

Den Hintergrund dieser konträren Diagnosen bildet das vieldiskutierte, aber noch immer nicht realisierte Adligenswiler Alters- und Gesundheitszentrum (AGZ). Denn noch sehnlicher als die Adliger Senioren warten offenbar die beiden Dorfärzte auf die Realisation des Zentrums. In der Erwartung, dass dabei auch ein Ärztezentrum entsteht. Mit öffentlicher Kritik an den bisherigen unerfreulichen Ereignissen waren die beiden Allgemeinmediziner bisher immer sehr zurückhaltend. Doch unlängst hat einer der beiden sich doch ungewohnt deutlich zur Situation geäussert. Dr. Klaus Egger schilderte der örtlichen liberalen Partei in einem Interview die betrübliche Sachlage aus seiner Sicht. Es war in einer vierseitigen Postille mit dem Namen «Liberale Adliger Nachrichten» zu lesen, die kürzlich unangefordert in allen Adligenswiler Briefkästen lag. Hauptthema: Die bisher verunglückte Projektierung des AGZ.

 

Seit 34 Jahren Adliger Hausarzt

Neben einem 88-jährigen Adliger Optimisten, der sich bereits 2009 für das geplante Alters- und Gesundheitszentrums (AGZ) angemeldet und per 2013 mit seinem Wohnraumbezug gerechnet hat, kommt auch Dorfarzt Klaus Egger kritisch zu Wort. Der 66-Jährige hat fast die Hälfte seines Lebens damit verbracht, die Adliger gesund und am Leben zu erhalten und wünscht sich auf seine bevorstehende Pensionierung vor allem eines: Seinem jungen Nachfolger optimale Praxisräume übergeben zu können. «Zusammen mit Dr. Vonwil arbeite ich seit Jahren intensiv daran, eine gute Lösung zu finden, um die hausärztliche Grundversorgung der Bevölkerung, welche mir sehr am Herzen liegt, weiter zu sichern. Kein leichtes Unterfangen beim aktuellen Ärztemangel», führt er im Parteiblatt aus. Von Beginn an sei klar gewesen, dass junge Ärzte nur dann zu finden seien, wenn sie keine Einzelpraxis übernehmen müssten, sondern in einem Ärztezentrum arbeiten könnten.

 

Wegzüge wegen ungenügenden Betreuungsangeboten

Schon vor drei Jahren habe man ihn und Dr. Vonwil ein Raumkonzept erarbeiten lassen, mit der Aussicht, das neue Adliger Ärztezentrum spätestens Ende 2013 beziehen zu können. Dank dieser Zukunftsperspektive sei es ihm gelungen, einen jungen Arzt, der in Adligenswil aufgewachsen war, für den Aufbau des künftigen AGZ zu gewinnen. Seither arbeitet Klaus Egger zusammen mit seinem Wunsch-Nachfolger und einer medizinischen Mitarbeiterin in «beengten» Verhältnissen im gleichen Haus, in dem auch die Post und die Gemeindeverwaltung untergebracht sind. In einer Praxis, die eigentlich für nur einen Arzt konzipiert ist. Durch die Verzögerungen mit dem AGZ sei er gezwungen, über sein geplantes Rücktrittsalter hinaus zu arbeiten. «Wenn ich das Projekt retten will», sagt er. Und zudem sei man gezwungen, nach schneller realisierbaren Optionen Ausschau zu halten, womit das AGZ Gefahr laufe, dereinst ohne Arztpraxis gebaut zu werden. «Oder noch schlimmer, die Praxen werden geschlossen, weil die jungen Kollegen unter diesen Umständen nicht mitmachen. Das würde die Attraktivität der Gemeinde für potentielle Zuzüger wesentlich reduzieren», führt Klaus Egger aus. Und fügt an, dass er eine ganze Reihe von Personen kenne, die aus Adligenswil weggezogen seien, weil sie die Betreuungsangebote der Gemeinde als ungenügend einschätzten.

 

Toni Vonwil hält dagegen

Solch kritische Diagnosen hört Berufskollege Toni Vonwil gar nicht gerne. «Das Interview mit Dr. Egger ist ganz schräg rübergekommen», findet er. Denn die ärztliche Versorgung von Adligenswil sei auch in Zukunft absolut sichergestellt. «Ich kann meine Praxis an idealem Standort jederzeit erweitern und Personal einstellen. Ein Leistungsausbau ist also überhaupt kein Problem», argumentiert er. Auf die höfliche Frage nach seinem Alter bricht dann allerdings die Gesprächigkeit von Dr. Vonwil jäh ab. «Das hat mit der Sache überhaupt nichts zu tun», sagt er abweisend. Ein Blick auf das Interview mit Klaus Egger beantwortet die unbeantwortete Frage aber weitgehend. «Vom neuen Zentrum erhoffe ich mir Synergien der am Platz tätigen Grundversorger, sowie attraktive Bedingungen für weitere junge Ärzte oder Ärztinnen, die nach dem geplanten Ausscheiden von Dr. Vonwil und mir in die Bresche springen würden», beantwortete er die Frage nach seinen Erwartungen von einem AGZ. Damit scheint die aktuelle Ausgangslage der ärztlichen Versorgung Adligenswils geklärt. Die beiden Adliger Dorfärzte stehen vor ihrer Pensionierung, ein junger Nachwuchsarzt übt sich angesichts der bisher leeren Versprechen in Geduld und bis er unter seinen Idealvorstellungen wirken kann, sieht er möglicherweise auch schon wieder alt aus. Falls er so lange in seiner Heimatgemeinde ausharrt.