Rigi Anzeiger
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Zwei Gemeinderätinnen zu ihrem Rücktritt

Meggen: Auf das Ende der Amtsperiode 2012-16 treten die Gemeinderätinnen Jacqueline Kopp, zuständig für Schule, Jugend, Sport und Sozialvorsteherin Mirjam Müller-Bodmer aus der Gemeinde-Exekutive zurück.

Die beiden Megger Gemeinderätinnen, Jacqueline Kopp, Schulverwalterin (links) und Mirjam Müller-Bodmer, Sozialvorsteherin, treten auf das Ende der Amtsperiode 2012–16 zurück.

Die beiden Megger Gemeinderätinnen, Jacqueline Kopp, Schulverwalterin (links) und Mirjam Müller-Bodmer, Sozialvorsteherin, treten auf das Ende der Amtsperiode 2012–16 zurück.

Die Megger Gemeindeordnung kennt eine Amtszeitbeschränkung von 16 Jahren. Fällt es Ihnen, Jacqueline Kopp (JK), schwer, von der Gemeindepolitik Abschied zu nehmen?
JK: Die Rahmenbedingungen mit der Amtszeitbeschränkung waren mir von Anfang an bekannt. Deshalb bin ich darauf vorbereitet. Der Abschied nach 16 Jahren ist sicher eine Zäsur – aber ich freue mich auf neue Chancen und Perspektiven, darauf meine Kreativität und mein Engagement in eigene Projekte, statt wie bisher, für die Gemeinde einzusetzen.

Mirjam Müller-Bodmer (MM), Sie haben eine 12-jährige Amtsdauer als Sozialvorsteherin hinter sich. Was bewegt Sie zum Rücktritt?
MM: Es ist immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt für den Abschied zu finden. In den bald 12 überaus spannenden Jahren habe ich sehr viel gelernt. Im nächsten Jahr werde ich 54 Jahre zählen – und es scheint mir der letzte Zeitpunkt, um noch einmal in eine neue berufliche Richtung und Entwicklung einzusteigen. Zudem sind viele wichtige Projekte im Sozialwesen gut aufgegleist, die auch von einer anderen Person übernommen und weitergeführt werden können.

Nennen Sie drei Kerngeschäfte, die von Ihnen als CVP-Gemeinderätin Schule/Sport/Jugend viel Engagement forderten, aber auch Freude brachten.
JK: Freude brachten mir viele Themen, vor allem Vorhaben, die durch einen Prozess und Einbezug der Beteiligten zu guten Lösungen führten. Im Ressort Jugend waren wir gefordert durch die Lärm- und Litteringproblematik an der Seestrasse. Mit dem Bauwagenprojekt am See haben wir zusammen mit den Jugendlichen, den Anwohnern und weiteren Involvierten eine Lösung erarbeitet und erfolgreich umgesetzt. Auch die Weiterentwicklung des Megger Sporttages, an welchem viele Megger Vereine beteiligt sind, war mir ein wichtiges Anliegen. Wir haben unter anderem die Ehrung erfolgreicher Megger Sportlerinnen und Sportler eingeführt. In der Bildung haben wir viele Projekte und Reformen umgesetzt. Jetzt steht auch noch ein Grossprojekt an, die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums Hofmatt. Dahinter steht ein jahrelanger Prozess der Schulraumplanung, welcher viel Engagement, Zeit und Geduld erforderte. Dieser Einsatz hat sich gelohnt, denn mit diesem Bauprojekt haben wir die Chance, optimale Rahmenbedingungen für eine Schule mit Zukunft zu realisieren.

Sie sind als Sozialdemokratin in das Amt der Sozialvorsteherin gewählt worden. Welche Akzente haben Sie in Ihrem Aufgabenbereich gesetzt?
MM: Mein Ressort umfasst drei Aufgabenbereiche, nämlich das Soziale, die Gesundheit und das Alter. Im Sozialbereich war es mir wichtig, dass Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger Integrationsprojekte besuchen konnten, damit sie die Tagesstrukturen erleben oder wieder erlernen konnten. Und auch bald wieder eine Stelle im Arbeitsmarkt finden können.
Dank Differenzzahlungen der Gemeinde an die Familien mit wenig finanziellem Spielraum stehen die Plätze der Kita Knirps allen Kindern im Vorschulbereich zur Verfügung. Mit der Einführung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzes musste intern unsere Abteilung neu strukturiert werden. Dies führte zu einem Abbau von Stellenprozenten und bedingte einen Prozess, den wir miteinander gut gemeistert haben. Im Bereich Gesundheit organisierten wir Gesundheitstage, mal grösser, mal bescheidener. An Bedeutung und Aufwand hat am meisten der Altersbereich zugenommen. Mit der Überarbeitung des Altersleitbildes, mit der Einsetzung einer Alterskommission und mit dem Umbau und der Erweiterung des «Sunneziel» mit Einzelzimmern für Pflegebedürftige und preisgünstigen Alterswohnungen konnten und können wichtige Anliegen realisiert werden.

Was hat sich im Gemeinderat während Ihrer 16-jährigen Amtsdauer geändert?
JK: Verändert haben sich die Anzahl der Themen und die Vielfalt der Projekte. Da wir nicht nur strategisch agieren, sondern auch immer wieder auf der operativen Ebene tätig sind, ist der zeitliche Aufwand laufend angestiegen. Mein Gemeinderatspensum von 45 Prozent hat sich dadurch praktisch zur Vollzeitbeschäftigung ausgeweitet, notabene mit der gleichen Entschädigung.

Meggen hat eine gewisse Zahl an Ausländerinnen und Ausländern. Aber Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene sind an einer Hand abzuzählen. Schottet sich die Gemeinde ab?
MM: Die in Meggen wohnenden Flüchtlinge sind nicht an einer Hand, sondern an drei Händen abzuzählen. Aber es stimmt natürlich. Meggen hat im Vergleich zu anderen Gemeinden wenige Flüchtlinge. Das hat vornehmlich mit den fehlenden preisgünstigen Wohnungen zu tun. Letztes Jahr sind wir erstmals mit dieser Problematik konfrontiert worden, als Regierungsrat Guido Graf Räumlichkeiten für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene suchte. Die wenigen günstigen Wohnungen in Meggen gehen meist an bereits in Meggen lebende Personen, die ebenfalls auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind. Meggen hat der Caritas zwei gemeindeeigene preisgünstige Wohnungen vermietet, und auch der Pavillon auf dem Gelände der reformierten Kirchgemeinde steht für Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen zur Verfügung. Ob unsere Zivilschutzanlage allenfalls zusätzlich beansprucht wird, ist noch offen.

Im Megger Gemeinderat sind zwei Frauen vertreten. Wie wichtig ist Ihnen die Vertretung des weiblichen Geschlechts in politischen Gremien?
JK: In erster Linie finde ich es wichtig, dass beide Geschlechter vertreten sind. Denn dies bringt eine breitere Betrachtung der Themen und oft auch neue Aspekte dazu. Frauen haben zudem einen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn und stellen das Gemeinwohl und nicht das Eigeninteresse immer wieder ins Zentrum.

Von Ihrer Partei ist eine Quotenregelung in die Diskussion gebracht worden. Möchten Sie im Gemeinderat eine «Quotenfrau» sein?
MM: Nein, ich möchte keine Quotenfrau sein. Und zwar deshalb, weil die Medien und die Öffentlichkeit mich nicht an meinen Leistungen messen würden, sondern mich unter dem Fokus der Quote beurteilen und begutachten würden. Ich stelle in den letzten Jahren aber fest, dass es nicht mehr Usus ist, beispielsweise in der Politik, bei Veranstaltungen oder Weiterbildungen die Redner und Rednerinnen paritätisch zusammenzusetzen. Es regt sich niemand mehr auf, wenn während eines ganzen Tages Männer Vorträge halten und bestenfalls eine Frau noch durch eine Tagung führt. Diese Sensibilität für beide Geschlechter scheint mir zu schwinden. Diese Entwicklung macht mir Sorgen. Frauen müssen sich einbringen und unsere Gesellschaft wie auch die Zukunft mitgestalten können.

Mit welchem «Goldenen Fallschirm» können Sie als abtretende Gemeinderätin rechnen?
JK: In Meggen haben wir im Gegensatz zu anderen Behörden keine Abgangsentschädigung oder eine Überbrückungsrente. Im Klartext heisst das, dass ich im August 2016 letztmals meinen Lohn beziehen werde.

Reicht Ihre Pension als Gemeinderätin für einen vorzeitigen Ruhestand? Oder haben Sie weitere berufliche Pläne?
MM: Ich möchte nochmals einen beruflichen Weg suchen. Ich bin offen. Ich habe mir noch keine konkreten Gedanken gemacht. Es ist mir ein Anliegen, dass ich meine Erfahrungen, die ich in diesem Amt machen konnte, nochmals irgendwo einbringen kann.

Im Rahmen des letztjährigen Jubiläums befasste sich die Jugend mit dem Thema «Meggen in 50 Jahren». Was wünschen Sie sich für Meggen in den nächsten Jahrzehnten?
JK: Ich wünschte mir, dass Meggen weiterhin eine bildungs- und familienfreundliche Gemeinde bleibt mit ausreichend bezahlbarem Wohnraum. Weiter wünsche ich mir einen sorgfältigen Umgang mit unseren Grünflächen, Erholungsgebieten und Kulturgütern. Und ich wünsche mir Menschen in den Behörden, die über ihren eigenen Gartenhag hinaus denken und das Gemeinwohl ins Zentrum stellen.

Und wo liegen Ihre Wünsche?
MM: Ich habe praktisch die identischen Stichworte wie Jacqueline. Ganz wichtig ist mir das Gemeinwohl. Wir leben in einer sehr individualistischen Gesellschaft, wo die Leute an sich selber denken. Da braucht es Menschen, welche die Gemeinde mit einem offenen Geist führen und einen ausgeprägten Sinn für das Gemeinwohl haben. Auch der Gemeinschaftssinn gilt es zu pflegen. Je älter man wird, umso mehr wird einem bewusst, wie wichtig Beziehungen sind. Bei den preisgünstigen Wohnungen muss der Gemeinderat am Ball bleiben. Eine gute Durchmischung der Bevölkerung erhält eine Gemeinde lebendig. Auch die Generationensolidarität ist mir ein zentrales Anliegen. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir miteinander am stärksten sind. Interview Jost Peyer